Auf das Russlandhoch war Verlass…

Impressionen einer Wanderfahrt mit der Barke in Masuren (13. -20.09.2014)

Die Störche waren bereits auf dem Weg in den Süden, während wir uns auf dem Weg gen Osten aufmachten.

Bedenken gab es schon im Vorfeld: wird das Wetter Ende September in Masuren nicht zu viel Mücken, Wind, Wellen, Kälte und Regen mit sich bringen? Aber – die Überschrift hat es schon verraten – eine stabile Hochdrucklage über Russland hat uns eine Woche Sonne, strahlend blauen Himmel, herrliche Sternenbilder am Nachthimmel, Temperaturen um die 23 Grad und keinen Tropfen Regen beschert. Und so war die Barkenfahrt in Masuren, die Ingo wie immer mit viel Liebe und Mühe bis ins Detail organisiert hatte, für alle ein tolles Erlebnis in einer wunderschönen Landschaft.

Die Fahrt ging von Piasken am Beldany-See über Nikolaiken und Lötzen bis nach Angerburg und dann mit Übernachtung in anderen Marinas  wieder zurück. 155 km waren in 6 Tagesetappen zu rudern und wurden von 2 Hausbooten begleitet. Mit an den Riemen haben Christa Goecke, Christel Korb, Dirk Eckelt, Egon Barthel, Hans-Gerd Busmann, Horst Mahlstedt, Ingo Giese, Jens Rebettge, Maike Rebettge, Monique Mahlstedt, Olaf Kruse-Schilling, Redelf Janssen, Ruth Schilling, Uli Laube, Ute Cordt und Ute Mackenthon-Schirmer gesessen.

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Und so lief die Woche im Einzelnen ab:

Nach 1130 km von Bremen nach Piasken nördlich von Ruciane –Nida mit Kleinbussen, PKW und Flugzeug über Warschau erhalten wir eine Einweisung in die Hausboote samt Probefahrt. Beim Abendessen im Herrenhaus bekommt jeder ein Masuren T-Shirt und eine Sonnenkappe. Für die Vorführung dieses Equipments hat Ingo Ruth als Modell gewonnen! Wir verbringen die erste Nacht auf unseren Hausbooten Riga und Kleipeda, die uns die folgende Woche beherbergen und für die Landversorgung begleiten werden.

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Beim ersten Frühstück auf dem Sonnendeck der Riga wird in 100 m Entfernung der Schuh von Hans-Gerd im See gesichtet, den er am Abend vorher verloren hatte. Nach dem Ablegen rettet die Barkenmannschaft den Schuh aus dem Schilf und wir rudern in 3 Stunden bis nach Nikolaiken. In der Mittagspause schauen wir uns den Ort an, der als Zentrum des Tourismus in dieser Region mit seinen vielen Geschäften und Kneipen etwas von Rummelplatz-Atmosphäre versprüht. Auf der Weiterfahrt lernen wir, dass auch polnische Motorbootfahrer mit schneller Fahrt gern hohe Wellen erzeugen und sich nicht in die Nöte der Ruderer hinein denken können. Eines unserer Hausboote schleppt die Barke durch Kanäle und kleine Seen bis nach Zielona Gay, einer kleinen Marina mit Herrenhaus auf dem Hügel. Wir kochen und essen anschließend auf dem Steg. Unsere Schatzmeisterin Uli verhandelt mit dem Hafenmeister eine Pauschale für Duschen und die WC-Benutzung. Die Toiletten-Flatrate ist erfunden und die Klo-Frau macht Feierabend!

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Nach dem Frühstück an großer Tafel auf dem Steg geht es weiter bis zum Mittag nach Rydzewo. Das Restaurant Gaspoda (Schwan) ist gemütlich, gut und günstig, aber auch eine Überraschung für die Vegetarier, denn die Pierogi mit Quark und Kartoffeln enthalten auch Speckwürfel. Auf der Barkenfahrt bastelt Ingo Wasserbomben mit kleinen Luftballons und schießt sie vom Vorschiff mit dem Beinkatapult auf unser Begleitboot. Alle haben viel Spaß – allen voran Ingo! Eine Attraktion bei der Fahrt durch den Stadtkanal von Lötzen, mit 30.000 Einwohnern ein Zentrum der Region, ist die mit einer Handkurbel betriebene Drehbrücke! In Lötzen-Nord legen wir mit Buganker rückwärts an und haben ein Super-Buffet mit Trüffelschokolade und Nussbrand zum Dessert. Nachts kontrolliert ein schwarzgekleideter und furchterregender Wachmann den Hafen. Dank bunter Armbänder, die Uli beim Hafenmeister erwirbt, erkennt er uns aber als zahlende Gäste.

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Der nächste Tag begrüßt uns mit Frühnebel, dann Sonne und Süd-Ost-Wind. Die Barke kann die Hälfte der Strecke segeln und wird erst kurz vor der Ankunft von den Motorbooten eingeholt. Die Herausforderung für die Mobo-Besatzung ist der Einkauf am Morgen für das Grillen am Abend. Mit Taxi und nur polnisch sprechendem Fahrer geht es zu Rossmann, Lidl und zum Metzger. Der Einkauf mit Zeigen und Fingerabzählen klappt prima. Danach geht es auch für die Hausboote auf Fahrt. Die Durchfahrt vom Dargeinen-See in den Mauersee ist eng und flach und es kommen kreuzende Segler entgegen. Gut, dass die Mobos nur 80 cm Tiefgang haben! Südlich von Angerburg sind wir in der kleinen Marina am Wasserturm die einzigen Gäste. Die Anlage ist einfach und preiswert, aber sehr schön gelegen. Vier mutige Ruderer (Ute, Ruth, Dirk und Olaf) baden im See! Abends gibt es nach erneutem Wasserbombenbewurf von Ingo ein gelungenes Grill-Event und einen herrlichen Sternenhimmel.

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Morgens gibt es vor dem Klocontainer das erste Ständchen für das heutige Geburtstagskind Egon. Frühstück bei strahlendem Sonnenschein und mit frisch gepflücktem Blumenstrauß. Danach retten einige Crewmitglieder ein treibendes Charter-Segelboot und vertäuen es sicher am Steg. Wir rudern und segeln gemütlich bis zum Dargeinen-See. Dann heisst es anstrengen gegen frischen Wind von vorn und Wellen mit bis zu 60 cm Höhe. Nach 1 Stunde Kampf ankern wir südlich von Steinort, ehemaliger Familiensitz der Grafen von Lehndorff, und fordern ein Hausboot zum Schleppen an. Das Schleppboot muss uns lange suchen – denn es gibt leider kein Fernglas an Bord (oder: mit Brille wär‘ das nicht passiert)!

Wir fahren mit der Barke im Schlepp bis Rydzewo, dort gibt es zum Geburtstag den besten polnischen Wodka der Marke „Chopin“. Zum Essen gehen wir wieder ins Lokal Gaspoda, wo die Bedienung uns mit wenigen deutschen Worten und nachgemachten Tierlauten die Speisekarte mit Wildschwein, Gans oder Ente erklärt. Die nachbestellten Kartoffelpuffer sind ein Gedicht und werden von allen mit den Händen gegessen. Zum Abschluss des Geburtstages gibt es 3 Glückslaternen, die über den See steigen und leuchten.

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An diesem Tag steht ein Einkaufstour im Sklep, den üblichen 1-Zimmer-Supermärkten in Polen, an. Wie macht man einer nicht deutschsprechenden Verkäuferin klar, dass wir grüne Lebensmittelfarbe, Klebeband und einen Wischmop für die bevorstehende Neptuntaufe benötigen?

Bis Mittag geht die Fahrt bis Zielona Gay, danach weiter über Kanäle und das Taltergewässer an Nikolaiken vorbei bis zum heutigen Ziel nach Wierzba. Vor dem Anlegen werden die Neulinge auf Wanderfahrt Ute C., Ute S. und Egon von Neptun gerügt, belehrt und getauft. Alle haben einen Mordspaß, auch der Zander, der zukünftig mit Egons Sonnenbrille durch die Seen schwimmt. Man sollte vor dem Kopfsprung ins Wasser doch besser die Brille abnehmen!

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Am letzten Rudertag wieder ein Geburtstag: Diesmal der von Olaf! Frühstück wie immer auf dem Deck, der Wind bläst allerdings die Geburtstagskerzen aus. Nach 6 km Rudern besuchen wir das Freilichtmuseum der Galindia, einem Urstamm aus dieser Region. Es ist eine Mischung aus Freilichtmuseum, Veranstaltungszentrum und Skulpturenpark mit geschnitzten Kunstwerken. Die Museumsführer sind in Pelzkleidung unterwegs.

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Nach der Ankunft in Piasken bringen Olaf und Ruth den Geburtstagskaffee mit selbstgebackenem Apfelsinenkuchen im Glas und Aperol-Spritz aus der Dose auf den Tisch. Danach werden die Barke und die Hausboote aufgeräumt und die Barke frisch geputzt auf dem Trailer verstaut. Es gibt einen malerischen Sonnenuntergang und ein Abschlussabendessen im Herrenhaus mit Pilzsuppe, Zander und Schokopfannkuchen: alles sehr lecker! Die Mannschaft dankt Ingo für die tolle Organisation und Leitung und überreicht ihm eine Flasche Navigator (Wodka) und ein Segelschiff mit Aufziehantrieb. Dies fährt von nun an regelmäßig über die Tafel!

Der Geburtstag von Olaf klingt mit spendiertem Wodka und 3 Glückslaternen über dem See aus.

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Am letzen Morgen der Wanderruderfahrt gibt es ein Frühstücksbuffet im Herrenhaus. Abfahrt nach Rückgabe der Hausboote. Die Trailermannschaft kommt nach 17 Stunden Fahrt mitten in der Nacht in Vegesack an und ermöglicht damit dem Vorstand die geplante Ausflugsfahrt mit der Barke.

Es war eine lange An- und Abreise, aber es hat sich gelohnt. Herrliche Seen in jeder Größe, malerische Wälder und Schilfgürtel, blauer Himmel, sternenklare Nächte, Entspannung und viel Spaß in der Mannschaft.

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Unsere Bedenken vor der Fahrt waren umsonst: Masuren ist auch im September eine Reise wert!

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